ELearning-Angebote zu nutzen ist eine Frage der Lernkultur
Digitales Lernen ist in den Unternehmen angekommen
"Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich digitales Lernen auch nach dem 'Corona-Schub' nachhaltig etablieren konnte, selbst wenn mit dem Abflachen der pandemiebedingten EinschraÌnkungen wieder vermehrt PraÌsenzveranstaltungen angeboten werden", zieht Oliver Hahn, Country Manager GoodHabitz Germany, Bilanz. Auch in diesem Jahr gaben mit 91,8 Prozent nahezu alle befragten Unternehmen an, dass eLearning in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung zum Einsatz kommt. Weitere 4,3 Prozent planen zudem gerade die EinfuÌhrung von digitalem Lernen.
Der Bedarf wächst stetig
Im Verlauf der vergangenen Jahren sieht man einen deutlichen Anstieg: Alleine in den letzten zwei Jahren sind 16 Prozent der befragten Unternehmen in das Thema eLearning eingestiegen. In den letzten fünf Jahren lag der Anteil beinahe bei der Hälfte (46,3 Prozent), waÌhrend es im Zeitraum der vergangenen zehn Jahren sogar 74 Prozent waren. Im Vergleich zum Jahr 2012 setzen also drei Viertel der befragten
Unternehmen in der DACH-Region auf eLearning.
Präsenz weiterhin wichtig
Gleichzeitig liegt der Fokus wieder mehr auf Präsenzveranstaltung: Denn in 2021 schoss der Anteil von digitalem Lernen auf durchschnittlich 54,5 Prozent hoch, eine Verdoppelung im Vergleich zur Erhebung im Vorjahr und ein eindeutiges Zeichen, wie umfassend die Schutzmaßnahmen zur PandemiebekaÌmpfung die PraÌsenz in der Aus- und Weiterbildung eingeschraÌnkt haben.
DemgegenuÌber ist der Vergleichswert in der Studie 2022 mit einem Anteil von eLearning von 36,3 Prozent wieder gesunken, wobei er noch immer uÌber dem Niveau von vor Corona liegt. Das macht deutlich, dass die Verbreitung von eLearning weiterhin hoch ist und eine Wachstumsphase zu verzeichnen ist.
Lernzeit: die unbekannte Größe in Unternehmen
Die eLearning BENCHMARKING Studie 2022 hat sich zudem mit der Frage beschaÌftigt, inwieweit Unternehmen uÌberhaupt die Rahmenbedingungen bieten, damit ihre Mitarbeitenden die digitalen Lernangebote nutzen koÌnnen. Denn es reicht nicht aus, ihnen ein umfangreiches Lernangebot anzubieten, ohne auch Zeit für die Weiterbildung zur Verfügung zu stellen. Eine zentrale Rahmenbedingung ist daher die Lernzeit: was als Lernzeit gilt, wie viel Lernzeit Mitarbeitenden zur VerfuÌgung steht und wie frei Mitarbeitende ihre Lernzeit nutzen koÌnnen.
Laut der Studie gaben fast zwei Drittel (62,4 %) an, dass im Unternehmen die Regelung Lernzeit = Arbeitszeit beim digitalen Lernen gilt und 18,4 Prozent planen, diese im Unternehmen einzuführen. Dabei machen 74,3 Prozent ihren Mitarbeitenden keine Vorgaben.
Zusätzlich wurde erfragt, wie viele Stunden den Mitarbeitenden pro Woche für eLearning ermöglicht werden. Mit 85,8 Prozent liegt das Zeitkontingent pro Woche bei bis zu zwei Stunden. Am verbreitetsten sind dabei 30 bis 60 Minuten (36,8 %). In rund einem Viertel (27 %) der Unternehmen steht den Mitarbeitenden weniger als 30 Minuten pro Woche zur Disposition, waÌhrend etwas uÌber ein FuÌnftel zwischen einer und zwei Stunden pro Woche zur Verfügung steht (22 %). Interessanterweise gibt es allerdings auch eine Minderheit von Unternehmen (5,4 %), die ihren Mitarbeitenden ein Zeitkontingent von mehr als fünf Stunden pro Woche einraÌumen.
Hürden beim Lernen während der Arbeitszeit
Allerdings bedeutet ein umfangreiches Zeitkontingent wenig, wenn Mitarbeitende die verfuÌgbare Zeit zum Lernen nicht in Anspruch nehmen koÌnnen. TatsaÌchlich legen die Ergebnisse der Studie 2022 diese Vermutung nahe, denn mit 17,4 Prozent koÌnnen nur eine Minderheit der Befragten ihre Lernzeit auch wirklich nutzen.
DemgegenuÌber koÌnnen 63,6 Prozent der Mitarbeitenden ihre Zeit nur teilweise in Anspruch nehmen, waÌhrend fast ein FuÌnftel (19 %) angibt, gar keine verfügbare Zeit zum Lernen zu haben. Mit 88,8 Prozent ist das zu hohe Arbeitspensum der mit Abstand wichtigste Faktor für die Nicht-Nutzung. Damit verbunden ist außerdem die fehlende UnterstuÌtzung der Führungskraft, die mit 45,2 Prozent ebenfalls eine konkrete HuÌrde fuÌr Mitarbeitende darstellt, die tatsaÌchlich auch ihre Lernzeit nutzen wollen.
Es ist also auch eine Frage, welchen Stellenwert die Unternehmen der Weiterbildung einräumen wollen. Denn, wenn die Weiterbildung einen konkreten Mehrwert darstellt und eine UnterstuÌtzung zur Erreichung strategischer Ziele bedeutet, ist es kontraproduktiv, keine entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Wenn im Umkehrschluss die Weiterbildung in einem Unternehmen nicht geschaÌtzt wird, dann wirkt sich dies in der Regel auf die Lernkultur und damit auch auf die Lernmotivation und -bereitschaft der Mitarbeitenden aus. Es passt daher ins Bild, dass rund ein Drittel (32,6 %) der Befragten die Lernkultur als einen Grund fuÌr eine mangelhafte Nutzung angeben.
Technische HuÌrden (17,9 %) sowie ein unpassendes Lernangebot (16,8 %) spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle.
Lernorte: Wo wird in Deutschland digital gelernt?
Nach den Befragungsergebnissen gaben 92,2 Prozent an, dass das eLearning vor allem am Arbeitsplatz und waÌhrend der Arbeitszeit stattfindet. Auch waÌhrend der Freizeit, wie z.B. in der Pause, wird am Arbeitsplatz gelernt, allerdings deutlich seltener (14,9 %). Gleichzeitig hat nicht jeder Mitarbeitende zwangslaÌufig einen PC-Arbeitsplatz, der fuÌr die Nutzung des digitalen Lernangebots verwendet werden kann.
eben mobilen EndgeraÌten gibt es daher auch die Option spezieller Lernorte, die extra fuÌr diese Aufgabe ausgewiesen und genutzt werden koÌnnen. Mit 20,7 % gab immerhin rund ein FuÌnftel der Befragten an, dass die Mitarbeitenden solche innerbetrieblichen Lernstationen waÌhrend ihrer Arbeitszeit in Anspruch nehmen können. Mit 46,3 % gab fast die HaÌlfte der Befragten an, dass ihre Mitarbeitenden auch private Lernorte, wie z.B. das Zuhause, fuÌr die Weiterbildung mittels eLearning nutzen. Sehr viel seltener ist dagegen das digitale Lernen unterwegs, z.B. auf dem Weg zur oder von der Arbeit mit 16,8 Prozent.